Warum die Umsatzsteuer über deine Marge entscheidet
Der Preis auf Amazon ist ein Bruttopreis. Amazon nennt seine Gebühren dagegen ohne Umsatzsteuer, und die Verkaufsgebühr wird trotzdem auf den Bruttopreis gerechnet. Wer diese Ebenen mischt, verrechnet sich schnell um mehrere Euro je Stück. Dieser Artikel zeigt, wie du sauber rechnest, und zwar genau so, wie es auch der Amazon-FBA-Rechner von Arbitragex tut.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Steuerberatung. Er erklärt die Rechenlogik vereinfacht. Für deine konkrete Situation, etwa bei Lagerung in anderen EU-Ländern oder beim Wechsel zwischen den Besteuerungsarten, sprich mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater.
Die drei Größen: Bruttopreis, Umsatzsteuer, Vorsteuer
- Bruttopreis: Das, was der Kunde zahlt. Er ist auch die Grundlage für die Verkaufsgebühr.
- Umsatzsteuer: Als regelbesteuerter Händler steckt in jedem Verkaufspreis Umsatzsteuer, die du ans Finanzamt abführst. Beim Regelsatz von 19 % ist das Bruttopreis ÷ 1,19 × 0,19.
- Vorsteuer: Die Umsatzsteuer, die dir Lieferanten und Dienstleister in Rechnung stellen. Regelbesteuerte Händler können sie mit der eigenen Umsatzsteuer verrechnen. Für sie sind Einkauf und Gebühren deshalb Nettokosten.
Regelbesteuert rechnen
Bist du regelbesteuert, gilt diese Logik:
- Erlös = Verkaufspreis brutto ÷ 1,19
- Amazon-Gebühren zählen netto, so wie Amazon sie nennt
- Einkaufspreis zählt netto
- Gewinn = Erlös − Gebühren − Einkauf − sonstige Kosten je Stück
Beispiel regelbesteuert
Ein Spielzeug für 29,99 €, Einkauf 12 € netto, FBA-Gebühr 3,50 € netto:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis (brutto) | 29,99 € |
| − Umsatzsteuer 19 % | 4,79 € |
| = Erlös netto | 25,20 € |
| − Verkaufsgebühr (15 % auf 29,99 €) | 4,50 € |
| − FBA-Gebühr | 3,50 € |
| − Einkaufspreis | 12,00 € |
| Gewinn | 5,20 € |
Marge 17,3 % (bezogen auf den Bruttopreis), ROI 43,3 %, Break-even-Einkaufspreis 17,20 €. Im Rechner nachrechnen.
Wie die Umsatzsteuer auf Amazon-Gebühren läuft
Ob auf deinen Amazon-Gebührenrechnungen Umsatzsteuer ausgewiesen ist, hängt unter anderem davon ab, ob in deinem Konto eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hinterlegt ist. Ohne ausgewiesene Steuer kann die Steuerschuld im Reverse-Charge-Verfahren bei dir liegen. Für regelbesteuerte Händler mit vollem Vorsteuerabzug bleibt das Ergebnis in beiden Fällen gleich: Die Steuer auf die Gebühren belastet am Ende nicht, du rechnest mit den Nettobeträgen.
Als Kleinunternehmer (§ 19 UStG) rechnen
Als Kleinunternehmer weist du keine Umsatzsteuer aus und führst keine ab. Dafür darfst du keine Vorsteuer abziehen. Die Umsatzsteuer, die in Einkauf und Gebühren steckt, ist für dich also echter Aufwand. Die Logik lautet:
- Erlös = Verkaufspreis brutto
- Amazon-Gebühren zählen brutto, also netto × 1,19
- Einkaufspreis zählt so, wie du ihn bezahlt hast, also brutto
Beispiel Kleinunternehmer
Derselbe Artikel, eingekauft für 14,28 € brutto (12 € netto plus 19 %):
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis = Erlös | 29,99 € |
| − Verkaufsgebühr inkl. USt. | 5,35 € |
| − FBA-Gebühr inkl. USt. | 4,17 € |
| − Einkaufspreis brutto | 14,28 € |
| Gewinn | 6,19 € |
Marge 20,6 %, ROI 43,3 %, Break-even-Einkaufspreis 20,47 €. Kleinunternehmer-Beispiel im Rechner.
Der Gewinn je Stück ist höher, weil keine Umsatzsteuer auf den Verkauf anfällt. Der ROI bleibt in diesem Beispiel gleich, weil alle Kosten und der Erlös um denselben Faktor 1,19 höher liegen. Die Kleinunternehmerregelung ist an Umsatzgrenzen gebunden. Wie hoch sie aktuell sind und was bei Überschreiten gilt, klärst du am besten mit deiner Steuerberatung.
Der Break-even-Einkaufspreis in beiden Fällen
Der Break-even-Einkaufspreis ist der höchste Einkaufspreis, bei dem der Gewinn genau null ist. Er ist Erlös minus Gebühren minus sonstige Kosten je Stück. Regelbesteuert sind das im Beispiel 25,20 € − 8,00 € = 17,20 € netto. Als Kleinunternehmer sind es 29,99 € − 9,52 € = 20,47 € brutto. Wichtig ist, den Wert in derselben Logik zu lesen, in der er berechnet wurde: Ein regelbesteuerter Händler vergleicht ihn mit dem Nettopreis seines Lieferanten, ein Kleinunternehmer mit dem Betrag, den er tatsächlich überweist.
Ermäßigter Steuersatz
Der Arbitragex-Rechner rechnet mit dem Regelsatz von 19 %. Für manche Waren gilt in Deutschland ein ermäßigter Satz von 7 %, etwa für viele Bücher und Lebensmittel. Verkaufst du solche Artikel regelbesteuert, fällt auf den Verkauf weniger Umsatzsteuer an und dein Nettoerlös ist höher als im Rechner angezeigt. Welcher Satz für einen Artikel gilt, hängt von der genauen Warenart ab. Im Zweifel klärst du das mit deiner Steuerberatung und hinterlegst den richtigen Steuersatz auch in Seller Central.
Schritt für Schritt vom Amazon-Preis zum Gewinn
- Besteuerungsart festlegen: regelbesteuert oder Kleinunternehmer.
- Erlös bestimmen: Bruttopreis ÷ 1,19 oder, als Kleinunternehmer, der volle Bruttopreis.
- Verkaufsgebühr auf den Bruttopreis rechnen, mit der Regel der richtigen Kategorie.
- FBA-Gebühr nach Paketmaß und Gewicht ansetzen.
- Gebühren netto lassen oder, als Kleinunternehmer, mit 1,19 multiplizieren.
- Einkauf netto oder brutto abziehen, passend zur Besteuerungsart.
- Versand zum Lager und andere Kosten je Stück abziehen.
Typische Rechenfehler
1. Die Umsatzsteuer ganz vergessen
Wer als regelbesteuerter Händler 29,99 € − 4,50 € − 3,50 € − 12 € rechnet, kommt auf 9,99 € Gewinn. Tatsächlich sind es 5,20 €, weil 4,79 € Umsatzsteuer ans Finanzamt gehen. Der Fehler fast verdoppelt den Gewinn auf dem Papier.
2. Die Verkaufsgebühr auf den Nettopreis rechnen
15 % auf den Nettoerlös von 25,20 € wären 3,78 €. Amazon rechnet aber auf den Gesamtpreis inklusive Umsatzsteuer, also 4,50 €. Mehr zu den Gebührenregeln steht im Ratgeber Amazon-Verkaufsgebühren 2026.
3. Brutto und Netto im Einkauf mischen
Regelbesteuerte Händler setzen den Einkauf netto an, Kleinunternehmer brutto. Wer als Kleinunternehmer 12 € statt 14,28 € einträgt, rechnet sich im Beispiel 2,28 € je Stück schön.
4. Gebühren falsch behandeln
Als Kleinunternehmer mit Nettogebühren zu rechnen, unterschätzt die Kosten: Im Beispiel sind es 9,52 € statt 8,00 €. Umgekehrt rechnet sich ein regelbesteuerter Händler mit Bruttogebühren unnötig arm.
5. Marge auf unterschiedlicher Basis vergleichen
5,20 € Gewinn sind 17,3 % vom Bruttopreis, aber 20,6 % vom Nettoerlös. Beides kann sinnvoll sein, nur solltest du Zahlen aus verschiedenen Tools nicht vergleichen, ohne die Basis zu kennen. Der Arbitragex-Rechner bezieht die Marge immer auf den Bruttopreis.
6. Belege ohne ausgewiesene Steuer
Für den Vorsteuerabzug brauchst du eine ordnungsgemäße Rechnung. Wer im Handel oder online ohne passende Rechnung einkauft, kann die Vorsteuer unter Umständen nicht ziehen. Gerade bei Arbitrage ist das ein Thema, siehe Amazon Arbitrage in Deutschland.
Was nicht in der Stückrechnung steckt
Die Stückrechnung erfasst Umsatzsteuer, Verkaufsgebühr, FBA-Gebühr, Einkauf und Versand zum Lager. Lagergebühren, Werbung, Retouren und die monatliche Grundgebühr kommen hinzu und unterliegen derselben Logik: regelbesteuert netto, als Kleinunternehmer brutto. Wie die FBA- und Lagergebühren entstehen, erklärt der Ratgeber FBA-Gebühren und Größenklassen.
Echte Zahlen statt Annahmen
Der Rechner nimmt die Gebührenregeln aus Amazons Übersicht und schätzt die FBA-Gebühr. Das Arbitragex-FBA-Cockpit liest dagegen die tatsächlich abgerechneten Gebühren je SKU aus deinem eigenen Seller-Konto, zeigt den Gewinn pro Artikel und listet Erstattungen, die Amazon dir schuldet. So prüfst du, ob deine Kalkulation zur Abrechnung passt.