Was die Verkaufsgebühr ist und worauf Amazon sie rechnet
Die Verkaufsgebühr, oft auch Provision oder Referral Fee genannt, ist der Anteil, den Amazon bei jedem Verkauf einbehält. Sie fällt an, egal ob du selbst versendest oder über FBA. Grundlage ist der Gesamtpreis, also der Betrag, den der Kunde zahlt, einschließlich Umsatzsteuer und eventueller Versandkosten. Amazon selbst nennt die Gebühr dagegen ohne Umsatzsteuer. Genau diese Mischung sorgt in vielen Kalkulationen für Fehler.
Die vollständige Tabelle aller Kategorien für Amazon.de findest du auf der Seite des kostenlosen Amazon-FBA-Rechners. Dort ist sie aus der offiziellen Gebührenübersicht in Seller Central übernommen (abgelesen am 24.09.2026). In diesem Artikel geht es darum, wie die unterschiedlichen Regeln funktionieren und was sie für deinen Preis bedeuten.
Die vier Regeltypen der Verkaufsgebühr
Hinter der langen Kategorienliste stecken nur vier Rechenmuster. Wer sie kennt, liest jede Zeile der Tabelle richtig.
1. Fester Prozentsatz
Der häufigste Fall: ein Satz auf den ganzen Gesamtpreis. Spielzeug, Küche, Garten, Sport & Freizeit und „Andere Produkte“ liegen bei 15 %, Werkzeuge und Baumarkt bei 13 %, Computer, Elektronik und Elektrogeräte in Standardgröße bei 7 %. Ein Spielzeug für 29,99 € kostet also 15 % × 29,99 € = 4,50 € Verkaufsgebühr.
2. Schwelle: der Satz gilt für den ganzen Preis
Bei einigen Kategorien hängt der Satz davon ab, ob der Gesamtpreis über oder unter einer Grenze liegt. Liegt er darüber, gilt der höhere Satz für den gesamten Preis, nicht nur für den Teil über der Grenze. Beispiel Beauty, Drogerie & Körperpflege: 8 % bis 10 €, sonst 15 %.
| Gesamtpreis (Beauty) | Satz | Verkaufsgebühr |
|---|---|---|
| 9,99 € | 8 % | 0,80 € |
| 10,00 € | 8 % | 0,80 € |
| 10,01 € | 15 % | 1,50 € |
| 12,99 € | 15 % | 1,95 € |
Ein Cent mehr Preis kostet an der Grenze also 70 Cent mehr Gebühr. Das gleiche Muster gibt es bei Babyprodukten (8 % bis 10 €, sonst 15 %), bei Haushalt (8 % bis 20 €, sonst 15 %: 19,99 € kosten 1,60 €, 20,99 € kosten 3,15 €) und bei Lebensmitteln sowie Vitaminen und Nahrungsergänzung (5 % bis 10 €, sonst 15 %).
3. Anteil: der niedrigere Satz nur auf den Teil darüber
Das Gegenstück zur Schwelle ist die Anteilsregel. Hier gilt der erste Satz auf den Anteil bis zur Grenze und der zweite Satz nur auf den Anteil darüber. Bei Elektronik-Zubehör sind das 15 % bis 100 € und 8 % auf den Rest.
- Gesamtpreis 80 €: 15 % × 80 € = 12,00 €
- Gesamtpreis 100 €: 15 % × 100 € = 15,00 €
- Gesamtpreis 149,99 €: 15,00 € + 8 % × 49,99 € = 19,00 €
Auto & Motorsport folgt demselben Muster mit 15 % bis 50 € und 9 % auf den Anteil darüber. Ein Artikel für 39,99 € kostet 6,00 €, einer für 89,99 € kostet 7,50 € + 9 % × 39,99 € = 11,10 €. Weitere Anteilsregeln gelten für Drucker- und Scanner-Zubehör (wie Elektronik-Zubehör), Möbel (15 % bis 200 €, 10 % darüber), Uhren (15 % bis 250 €, 5 % darüber) und Schmuck (20 % bis 250 €, 5 % darüber, bei 300 € also 52,50 €).
4. Zwei Schwellen: Bekleidung & Accessoires
Bekleidung hat zwei Grenzen: 5 % bis 15 €, 10 % bis 20 €, sonst 15 %, jeweils auf den ganzen Preis. Ein Shirt für 14,99 € kostet 0,75 €, für 17,99 € 1,80 € und für 24,99 € 3,75 €.
Mindestgebühr und Abschlussgebühr
In den meisten Kategorien gilt eine Mindestverkaufsgebühr von 0,30 € je Artikel. Ist der Prozentsatz kleiner, zahlst du trotzdem 0,30 €. Beispiele:
- Spielzeug für 1,50 €: 15 % wären 0,23 €, fällig sind 0,30 €.
- Beauty-Artikel für 3,49 €: 8 % wären 0,28 €, fällig sind 0,30 €.
Keine Mindestgebühr nennt Amazon unter anderem bei Büchern, Lebensmitteln & Getränken, Musik/Video/DVD, Software, Videospielen und Konsolen. Dafür kommt bei Medienkategorien eine feste Abschlussgebühr hinzu: 1,01 € bei Büchern, 0,81 € bei Musik/Video/DVD, Software, Videospielen und Konsolen. Ein Buch für 12 € kostet also 1,80 € Verkaufsgebühr plus 1,01 € Abschlussgebühr.
Warum viele Tools pauschal 15 % rechnen und was das kostet
Viele Kalkulatoren und Tabellen setzen einfach 15 % an. Das ist bequem, weil es für viele Kategorien stimmt, aber es ist in beide Richtungen falsch: bei Elektronik und Computern zu hoch, bei Schmuck bis 250 € zu niedrig, und Schwellen und Anteile fallen ganz unter den Tisch.
| Beispiel | Echte Regel | Pauschal 15 % |
|---|---|---|
| Elektronik, 199 € | 7 % = 13,93 € | 29,85 € |
| Computer, 499 € | 7 % = 34,93 € | 74,85 € |
| Beauty, 9,99 € | 8 % = 0,80 € | 1,50 € |
| Elektronik-Zubehör, 149,99 € | 19,00 € | 22,50 € |
Was das im Ergebnis bedeutet, zeigt ein Elektronikartikel für 199 € mit 150 € Einkauf (netto) und angenommenen 4,00 € FBA-Gebühr, regelbesteuert gerechnet: Mit den echten 7 % bleibt ein Verlust von 0,70 € und der Break-even-Einkaufspreis liegt bei 149,30 €. Mit pauschal 15 % sähe derselbe Artikel nach 16,62 € Verlust und einem Break-even von 133,38 € aus. Du würdest den Deal aussortieren, obwohl er nur knapp am Einkaufspreis scheitert. Beispiel im Rechner öffnen.
Die Schwellenfalle beim Preis
Bei Schwellenregeln kann ein höherer Preis weniger Gewinn bringen. Ein Beauty-Artikel, 3 € Einkauf netto, 3,00 € FBA-Gebühr, regelbesteuert:
- Verkauf für 9,99 €: Verkaufsgebühr 0,80 €, Gewinn 1,59 €, Marge 16,0 %.
- Verkauf für 10,49 €: Verkaufsgebühr 1,57 €, Gewinn 1,25 €, Marge 11,9 %.
Die 50 Cent höhere Einnahme werden von der Gebühr mehr als aufgefressen. Prüfe das mit deinen eigenen Zahlen: 9,99 € gegen 10,49 €. Wie die Umsatzsteuer in diese Rechnung eingeht, erklärt der Ratgeber Umsatzsteuer beim Amazon-Handel.
Die richtige Kategorie finden
Entscheidend ist nicht, wo du den Artikel einsortieren würdest, sondern die Gebührenkategorie, die Amazon dem Angebot zuordnet. Sie steht in Seller Central beim jeweiligen Angebot. Ob ein Artikel etwa als Elektronik-Zubehör oder als „Andere Produkte“ läuft, ist bei 29,99 € egal (beide 4,50 €), bei 149,99 € aber nicht mehr: 19,00 € gegen 22,50 €. Wer in gesperrten Kategorien verkaufen will, braucht zusätzlich eine Freischaltung, siehe Amazon Freischaltung (Ungating).
Zur Verkaufsgebühr kommt bei FBA noch die Versandgebühr, die von Maßen und Gewicht abhängt. Wie die aufgebaut ist, steht im Ratgeber FBA-Gebühren und Größenklassen.
Mit echten Gebühren statt Tabellenwerten rechnen
Die Tabelle und der Rechner zeigen, was Amazon laut Gebührenübersicht verlangen sollte. Was tatsächlich abgerechnet wurde, steht in deinen Abrechnungen. Das Arbitragex-FBA-Cockpit liest die echten Gebühren je SKU aus deinem eigenen Seller-Konto, zeigt den Gewinn pro Artikel und listet Erstattungen, die Amazon dir schuldet. So siehst du auch, wenn eine Gebühr nicht zur erwarteten Kategorie passt.