Was Amazon-Arbitrage ist
Bei Arbitrage kaufst du Markenware dort ein, wo sie gerade günstiger ist, und verkaufst sie auf Amazon zu einem höheren Preis. Du entwickelst kein eigenes Produkt, sondern hängst dich an bestehende Angebote an. Das macht den Einstieg niedrigschwellig, verschiebt die Arbeit aber auf zwei Dinge: gute Einkaufsquellen finden und sauber rechnen.
Online-Arbitrage
Du kaufst in Onlineshops, bei Aktionen, mit Gutscheinen oder im Abverkauf und lässt die Ware zu dir oder direkt zu einem Prep-Dienstleister liefern. Vorteil: Du kannst viele Shops in kurzer Zeit durchsuchen und Preise automatisiert vergleichen. Nachteil: Gute Deals sprechen sich schnell herum, und wenn viele Händler denselben Artikel einlagern, fällt der Preis auf Amazon.
Retail-Arbitrage
Du kaufst im Ladengeschäft, etwa bei Räumungsverkäufen oder reduzierten Restposten. Vorteil: Solche Angebote sind oft lokal und weniger umkämpft. Nachteil: Mehr Zeitaufwand je Artikel, und als Beleg bekommst du häufig nur einen Kassenbon.
Woran du einen brauchbaren Deal erkennst
Ein niedriger Einkaufspreis allein reicht nicht. Ein Artikel eignet sich für Arbitrage, wenn mehrere Punkte zusammenkommen:
- Der Artikel ist für dein Konto freigeschaltet und du darfst ihn im gewünschten Zustand anbieten.
- Er verkauft sich regelmäßig. Ein hoher Preis nützt nichts, wenn die Ware monatelang im Lager liegt.
- Der Amazon-Preis ist nicht nur eine kurze Spitze, sondern über Wochen einigermaßen stabil.
- Die Zahl der Anbieter ist überschaubar, sodass du realistisch in die Buy Box kommst.
- Nach allen Gebühren bleiben Gewinn je Stück und ROI über deiner eigenen Untergrenze.
Marge und ROI richtig rechnen
Die zwei wichtigsten Kennzahlen messen verschiedene Dinge:
- Marge = Gewinn ÷ Verkaufspreis. Sie sagt, wie viel vom Umsatz übrig bleibt, und zeigt, wie viel Luft du bei Preissenkungen hast. Der Arbitragex-Rechner bezieht die Marge auf den Brutto-Verkaufspreis.
- ROI (Return on Investment) = Gewinn ÷ Einkaufspreis. Er sagt, wie gut dein eingesetztes Kapital arbeitet. Für Arbitrage, wo Kapital und Lagerzeit knapp sind, ist er oft die entscheidende Zahl.
Dazu kommt der Break-even-Einkaufspreis: der höchste Einkaufspreis, bei dem du gerade noch null Gewinn machst. Er ist beim Einkauf die schnellste Prüfung, ob ein Angebot überhaupt infrage kommt.
Was in den Gewinn gehört
- Verkaufspreis abzüglich Umsatzsteuer, wenn du regelbesteuert bist
- Verkaufsgebühr nach Kategorie, siehe Amazon-Verkaufsgebühren 2026
- FBA-Versandgebühr nach Paketmaß und Gewicht
- Einkaufspreis je Stück
- Versand zum Amazon-Lager und gegebenenfalls Prep-Kosten je Stück
Nicht in dieser Rechnung, aber im Monat relevant: Lagergebühren, Werbung, Retouren, Abschreibungen auf unverkäufliche Ware und die monatliche Grundgebühr des Verkaufstarifs.
Ein Rechenbeispiel zum Nachrechnen
Ein Spielzeug wird auf Amazon für 29,99 € verkauft. Du kannst es für 12 € netto einkaufen und bist regelbesteuert. Das Paket ist 25 cm lang und wiegt 400 g.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis (brutto) | 29,99 € |
| − Umsatzsteuer 19 % | 4,79 € |
| = Erlös netto | 25,20 € |
| − Verkaufsgebühr (Spielzeug, 15 %) | 4,50 € |
| − FBA-Gebühr (Schätzung aus 462 Vergleichsartikeln) | 3,47 € |
| − Einkaufspreis | 12,00 € |
| Gewinn | 5,23 € |
Daraus ergeben sich eine Marge von 17,4 %, ein ROI von 43,6 % und ein Break-even-Einkaufspreis von 17,23 €. Dieses Beispiel im FBA-Rechner öffnen.
Was sich schnell ändert
- Versand zum Lager: Kostet der Transport ins Amazon-Lager 0,40 € je Stück, sinkt der Gewinn auf 4,83 €, die Marge auf 16,1 % und der ROI auf 40,3 %.
- Preisverfall: Fällt der Verkaufspreis auf 24,99 €, bleiben nur 1,78 € Gewinn, 7,1 % Marge und 14,8 % ROI. Der Break-even-Einkaufspreis liegt dann bei 13,78 €, dein Einkauf von 12 € ist also kaum noch abgesichert. Szenario im Rechner.
- Besserer Einkauf: Bekommst du den Artikel für 10 € netto, steigt der Gewinn beim ursprünglichen Preis auf 7,23 € und der ROI auf 72,3 %.
Rechne deshalb nicht nur mit dem aktuellen Amazon-Preis, sondern prüfe, wie viele Händler bereits anbieten und wie sich der Preis in den letzten Wochen entwickelt hat. Wie sich die Paketgröße auf die FBA-Gebühr auswirkt, zeigt der Ratgeber FBA-Gebühren und Größenklassen.
Rechtliche und praktische Fallstricke
Markenfreischaltung und gesperrte Artikel
Viele Marken, Kategorien und einzelne Produkte kann nicht jedes Verkäuferkonto sofort anbieten. Ob ein Artikel für dich freigeschaltet ist, siehst du in Seller Central, bevor du einkaufst. Prüfe das immer vor dem Kauf, sonst bleibst du auf der Ware sitzen. Wie der Antrag abläuft, steht im Ratgeber Amazon Freischaltung (Ungating).
Rechnungen statt Kassenbons
Für eine Freischaltung und bei Echtheitsbeschwerden verlangt Amazon in der Regel Rechnungen von Herstellern oder Großhändlern. Ein Kassenbon aus dem Einzelhandel oder eine Bestellbestätigung eines Onlineshops reicht dafür häufig nicht. Für die Buchhaltung brauchst du ordentliche Belege, und nur mit einer Rechnung, die die Umsatzsteuer ausweist, kannst du als regelbesteuerter Händler die Vorsteuer ziehen. Bewahre alle Einkaufsbelege auf und ordne sie den Artikeln zu.
Zustand der Ware
Als „Neu“ darfst du nur anbieten, was den Zustandsrichtlinien von Amazon für neue Artikel entspricht, also in der Regel unbenutzt und in der Originalverpackung. Beschädigte Verpackungen, entfernte Siegel oder Aufkleber des Vorverkäufers führen schnell zu Kundenbeschwerden. Die genauen Zustandsrichtlinien stehen in Seller Central.
Marken- und Preisrecht
Der Weiterverkauf von Originalware, die mit Zustimmung des Markeninhabers in der EU in Verkehr gebracht wurde, ist nach dem Erschöpfungsgrundsatz grundsätzlich zulässig. Trotzdem können Markeninhaber Beschwerden einreichen, und Amazon kann Angebote daraufhin sperren. Bei neuen Büchern gilt in Deutschland die Buchpreisbindung, Preisspielräume gibt es dort also nicht. Im Zweifel hol dir rechtlichen Rat.
Umsatzsteuer
Ob du regelbesteuert oder Kleinunternehmer bist, ändert die Rechnung spürbar. Im Beispiel oben ist der Einkaufspreis netto angesetzt. Wie du als Kleinunternehmer rechnest und welche typischen Fehler passieren, erklärt der Ratgeber Umsatzsteuer beim Amazon-Handel.
Einstieg: eine pragmatische Reihenfolge
- Verkäuferkonto einrichten und die umsatzsteuerliche Einordnung klären.
- Mit wenigen Einheiten je Artikel starten und nur Artikel kaufen, die für dein Konto freigeschaltet sind.
- Jeden Einkauf vorher mit echten Gebührenregeln durchrechnen, nicht mit pauschalen Prozentsätzen.
- Eine Untergrenze für ROI und Gewinn je Stück festlegen, die zu deinem Kapital und deiner Lagerzeit passt.
- Nach dem Verkauf nachprüfen, ob die abgerechneten Gebühren zur Kalkulation passen.
Vom geschätzten zum echten Gewinn
Vor dem Einkauf reicht die Schätzung im kostenlosen FBA-Rechner. Nach dem Verkauf zählt, was Amazon tatsächlich abgerechnet hat. Das Arbitragex-FBA-Cockpit zeigt die echten Gebühren und den Gewinn je SKU aus deinem Seller-Konto, listet Erstattungen, die Amazon dir schuldet, und bringt zusätzlich Deals und Arbitrage-Treffer in dasselbe Cockpit.